Warum soziale Berufe Berufe mit Zukunft sind


Warum soziale Berufe Berufe mit Zukunft sind

Das neue Auto kann warten, wenn das Geld gerade knapp ist, aber die Oma muss trotzdem versorgt werden. Altenpfleger & Co. werden immer gebraucht! Und: Es werden immer mehr von ihnen gebraucht.



 

Wie ist die Situation?

Deine Chance liest sich in Zahlen so: In den kommenden Jahren werden in Deutschland jede Menge Mitarbeiter in Pflegeberufen fehlen, um alle Patienten und pflegebedürftige Menschen zu versorgen. Verschiedene Hochrechnungen kommen auf verschiedene Zahlen zum Fachkräftemangel: das Statistische Bundesamt spricht von 152.000 fehlenden Mitarbeitern bis 2025, eine Studie von PricewaterhouseCoopers kommt auf 400.000 fehlende Vollzeit-Pflegekräfte bis 2030, eine Studie der Bertelsmannstiftung spricht sogar von einer halben Million. Und es geht jetzt schon los! In Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen gibt es nicht genug gut ausgebildete Fachkräfte. Überall werden Stellen ausgeschrieben und Azubis gesucht.
 

Warum ist es wie es ist?

Weil die Menschen heute älter werden als früher. Und weil es große Generationen sind, die da gerade immer älter werden. Früher hatten viele junge Menschen wenige alte zu versorgen, heute ist  es umgekehrt: Immer weniger junge Menschen müssen sich um immer mehr immer ältere Menschen kümmern. Das nennt man: den demographischen Wandel. "Im Moment werden noch über 70 Prozent der Groß- und Urgroßeltern zu Hause betreut, aber das können die Familien nicht mehr länger machen", erklärt Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK),  "Denn die jungen Frauen gehen nach kurzer Babypause wieder arbeiten. Die Männer sowieso. Wer soll sich da um Oma kümmern?" Bisher kamen dafür immer noch angelernte Hilfskräfte infrage. Aber die können nicht jede Aufgabe übernehmen.  Und Pflegemitarbeiter aus Ost- und Südeuropa, die in den vergangenen Jahren in Deutschland gearbeitet haben, gehen jetzt in ihre Heimatländer zurück. Dort werden sie inzwischen auch gebraucht. "Tja, Autos werden heute von Robotern gebaut", sagt Johanna Knüppel, "aber in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft kann die Technik den Menschen immer nur unterstützen, nie ersetzen." Wieder ein Grund mehr, soziale und pflegerische Berufe "zukunftssicher" zu nennen.

Welche Berufe werden gebraucht?

Wo ein Mensch alt und schwach wird, braucht er nicht nur einen Altenpfleger, sondern auch einen Physiotherapeuten, um seine Beweglichkeit so lange wie möglich zu erhalten. Jede neue Altenpflegeeinrichtung braucht Hauswirtschafter. Auch Menschen mit Behinderung werden alt und brauchen Heilerziehungspfleger, die sich mit Altenpflege auskennen. Und so weiter. Grundsätzlich gilt also für alle sozialen Berufe, die wir hier vorstellen, dass sie in Zukunft gebraucht werden. Dennoch gibt es bestimmte Berufe, in denen der Fachkräftemangel noch nicht so zu spüren ist, zum Beispiel bei den Hebammen, in der Kinderkrankenpflege und in der Sozialen Arbeit. Hier trittst du noch gegen viele Bewerber an.

Es gibt aber auch Berufe, in denen es besonders eng ist: Erzieher werden in Deutschland dringend gebraucht! Die Politiker haben nämlich beschlossen, dass auch für alle ganz kleinen Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsplatz eingerichtet werden muss. Wenn dann noch die Öffnungszeiten der Kitas verlängert und immer mehr Ganztagsschulen mit Nachmittagsbetreuung eingerichtet werden, werden die Erzieher knapp.

Habe ich eine Garantie auf einen Arbeitsplatz?

Eine Garantie gibt's auch in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft nicht, aber deine Chancen auf einen Arbeitsplatz stehen gut - auch darauf, dass du später mal an deinem Wunschort arbeiten kannst. Sozial- und Pflegeeinrichtungen gibt es überall in Deutschland, ambulante Pflegedienste boomen gerade in der Provinz.

"Arbeitgeber versuchen, gut ausgebildete Fachkräfte zu locken: mit flexiblen Arbeitszeiten, kostenloser Kinderbetreuung, besserer Bezahlung und Zusatzleistungen, Hilfe bei der Wohnungssuche oder sogar spendierten Wellness-Wochenenden", beobachtet Johanna Knüppel in den Stellenanzeigen der DBfK- Verbandszeitschrift,  "Ein Berufseinsteiger mit einer guten Ausbildung wird merken, dass in unserer Branche viel passiert!" Schon während der Ausbildung solltest du dich auf den Berufseinstieg vorbereiten und einen Karriereplan machen, dann klappt es hinterher umso besser. Spezialisiere dich schon mit deinen (Pflicht-)Praktika auf den Bereich, in dem du später arbeiten möchtest!

Und da gibt's kein Aber?

"Ich hab großen Respekt vor jemandem, der alte Menschen pflegt, ABER ich glaub, ich könnte das nicht!" oder "Ich interessiere mich schon für soziale Berufe, ABER es steht doch dauernd in der Zeitung, dass man da nicht so gut verdient und stressige Arbeitsbedingungen hat!" Sowas hören wir öfter. Unsere Antwort: Du kannst mehr als du denkst! Viele junge Leute haben uns erzählt, dass sie zum Beispiel vor ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr gedacht haben, sie könnten nicht mit Kindern oder Menschen mit Behinderung umgehen. Und hinterher wollten sie gar nichts anderes mehr machen! Ausprobieren ist die Devise.

Ansonsten gilt: Die sozialen und pflegerischen Berufe haben natürlich, wie jeder andere Beruf auch, ihre besonderen Herausforderungen: Du arbeitest in Schichten - auch am Wochenende, an Feiertagen und in der Nacht. Du arbeitest mit dem ganzen Körper - bist immer auf den Beinen, hebst Patienten hoch oder beugst dich zu ihnen herunter. Und überall dort, wo Arbeitskräfte fehlen, müssen die anderen mehr arbeiten. "Natürlich ist die Belastung hoch, die Arbeitsbedingungen sind zum Teil unbefriedigend", weiß Johanna Knüppel vom DBfK, "aber die Arbeitgeber wissen, dass sie etwas ändern müssen, und wir beobachten, dass sich einiges bewegt."

Den Beweis liefert das Forschungs- und Beratungsunternehmen "Great Place to Work Institute". Es zeichnet jedes Jahr Unternehmen im Gesundheitsbereich aus, die sich besonders gut um ihre Mitarbeiter kümmern. Zu den besten Arbeitgebern im Gesundheitswesen 2011 gehörten auch Einrichtungen der Diakonie: das Heinrich Sengelmann Krankenhaus der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, das Bodelschwingh-Haus der Diakonie Michaelshoven, das Seniorenzentrum Johann Hinrich Wichern in Forchheim und das Seniorenzentrum St. Markus der Martha Stiftung in Hamburg.

Was das Geld angeht, musst du genau hingucken: "Es stimmt, dass ungelernte Hilfskräfte in unserer Branche nicht besonders viel verdienen", erklärt Johanna Knüppel vom DBfK, "Aber die Azubis, deren Ausbildungsvergütung gesetzlich geregelt ist, bekommen teils mehr als in anderen Branchen. Und bei den Gehältern für gut qualifizierte Fachkräfte bewegt sich einiges." Tobias Meier vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) meint, es dauere vielleicht noch etwas, bevor alle Übergangslösungen ausgereizt sind und es richtig viel besser wird: "Aber je besser ein Bewerber qualifiziert ist, desto besser sind seine Chancen und auf dem Arbeitsmarkt auch jetzt schon!"

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