Jugend- und Heimerzieher/in


Gerhard (25)

"Herzlich sein gehört dazu."

Gerhard lernt beim Mariaberg e.V..  Hier geht´s zur Textversion des Videos.

Jugend- und Heimerzieher

Das ist Jugend- und Heimerzieher Tim.„Wir machen heute Käsespätzle!“, erklärt Tim (20). Fünf Mädchen und zwei Jungs aus der fünften bis siebten Klasse gucken ihn mit großen Augen an. Manche können nicht mal einen Apfel aufschneiden, weil sie sonst nur Fast Food essen. „Ich mag keinen Käse“, sagt einer. „Ich mag keine Spätzle“, sagt eine andere. Tim überlegt. „Dann kriegst du eben Spätzle ohne Käse und für dich machen wir andere Nudeln!“ Er macht die Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher an der Fachschule für Sozialwesen der Sophienpflege. Warum, erzählt er im Blog! Im zweiten Ausbildungsjahr ist Tim einmal die Woche im Praxiseinsatz in einer Realschule und leitet die Koch-AG.

„Der Beruf des Heimerziehers hat sich sehr verändert“, weiß Dr. Elke Steinbacher, Schulleiterin bei der Sophienpflege, „durch die boomenden Ganztagsschulen sterben manche Angebote aus, zum Beispiel Tagesgruppen. Dafür tun sich neue Einsatzmöglichkeiten auf, wie eben in Schulen.“ Worauf sie bei Bewerbern achtet, erzählt Dr. Steinbacher im Blog!

Nach wie vor ist ein Haupteinsatzfeld aber die Wohngruppe für Kinder und Jugendliche, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zu Hause leben können oder wollen. Tims Kollege Marco erzählt euch im Blog von der Arbeit dort. Er stellt zum Beispiel Wochenpläne mit Zielen und Förderangeboten für die Jugendlichen auf. „Da hat der Heimerzieher allerdings kaum noch mit normal entwickelten Jugendlichen zu tun, bei denen die Eltern das Problem haben“, beobachtet Dr. Elke Steinbacher, „sondern immer mehr mit Jugendlichen, die selbst schon Psychiatrieerfahrung und massive Probleme haben.“ Damit müssen Tim und seine Kollegen klarkommen.


WER JUGEND- und Heimerzieher werden will...

  • muss meist ein Vorpraktikum machen: in Baden-Württemberg mit Abi sechs Wochen, mit Realschulabschluss zwölf Monate

  • darf auch ein Quereinsteiger sein, das sind in diesem Beruf viele!

  • hat je nach Ausbildungsstätte zwei Jahre Schule mit einzelnen Praxiseinsätzen plus ein Jahr Anerkennungspraktikum oder von Anfang an Schule und Praxis kombiniert

  • ist in Wohngruppen dafür zuständig, Förderangebote aus den Bereichen Musik, Sport, Kunst, Werken oder Sprachförderung auf die Beine zu stellen Ausflüge, Feste und Ferienprogramme organisieren sowie mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Ärzten und Jugendämtern zusammenarbeiten

  • muss bei der Sophienpflege 18 Jahre alt sein, damit er Nachtschichten und Verantwortung übernehmen kann

  • kann mit mehr männlichen Kollegen rechnen als in anderen sozialen Berufen

  • muss sich klar sein, dass er die Eltern der Kinder bzw. Jugendlichen nicht ersetzt, sondern eine zusätzliche wichtige erwachsene Bezugsperson ist


Tim gibt offen zu: „Anfangs hatte ich Sorge, dass mich die Kids nicht ernst nehmen! Teilweise sind die Älteren auch wirklich aufmüpfig und die Jüngeren machen Quatsch.“ Aber es heißt nicht umsonst: „Liebe geht durch den Magen!“ Nachdem die Käsespätzle am Ende doch allen geschmeckt hatten, wollten sie das Rezept haben und brachten zum nächsten Treffen der Koch-AG eigene Ideen mit! Heimerzieher Tim motiviert so ein Erfolg ungemein. „Manches muss man einfach für diesen Beruf mitbringen, anderes kann man lernen“, sagt er, „Man muss mit heftigen Fällen umgehen können, darf das nicht an sich ranlassen, denn man kann die Kids ja nicht alle adoptieren!“

Wichtig ist es darum, dass im eigenen Leben alles soweit rund läuft und keine größeren Krisen anstehen. „Manchmal passiert es allerdings, dass sich während der Ausbildung Konflikte erst auftun, denn sie regt an, über sich selbst nachzudenken“, weiß Dr. Elke Steinbacher. Die Fachschule ist darauf vorbereitet und unterstützt die Azubis so gut sie kann. Zur Not können sie auch ein halbes Jahr Pause einlegen.

Auf einen Blick

  • Voraussetzung: unterschiedlich je nach Bundesland, meist mittlerer Schulabschluss, teils Vorpraktikum oder abgeschlossene Erstausbildung im sozialen Bereich (z.B. Sozialassistent)
  • Jugend- und Heimerzieher arbeiten familienergänzend oder familienersetzend in Wohngruppen, Wohnheimen, Tagesgruppen, im Jugendamt, in Beratungsstellen oder Schulen
  • theoretisch können der "normale" Erzieher und der Jugend- und Heimerzieher mit Kindern und Jugendlichen von 0 bis 18 Jahren arbeiten, tatsächlich arbeitet der Erzieher aber eher mit den Kleineren, der Jugend- und Heimerzieher eher mit den Größeren

Das gibt's bei der Diakonie

Unterschiedlich, da die Ausbildung nicht einzeln in den Richtlinien für Ausbildungsvergütung aufgeführt ist.

 

z.B. beim Mariaberg e.V. und in der berufsbegleitenden Ausbildung der Sophienpflege je nach Ausbildungsjahr 915 bis 1.078 Euro im Monat plus Heim-, Schicht- und Zeitzulage, Weihnachtsgeld und Abschlussprämie; in der Vollzeitausbildung der Sophienpflege im 1. und 2. Jahr kein Verdienst, erst im Anerkennungsjahr 1.430 Euro brutto ohne Schichtdienst und 1.520 Euro brutto mit Schichtdienst

 

Berufseinsteiger/in:

2.220 bis 2.600 Euro


 

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