Heilpädagogik


Heilpädagoge/-in

Sabrina (25) räumt das Geschirr in die Spülmaschine. Lukas hilft ihr. „Kannst du dir meine Hausaufgaben angucken?“, fragt der Zwölfjährige. Sabrina nickt und wuschelt ihm durchs Haar. „Das machen wir, wenn die Kleinen bettfertig sind.“ Es sieht nach Familienglück aus, aber der Eindruck täuscht. Sabrina betreut in einer Familienwohngruppe Kinder zwischen dem Babyalter und 18 Jahren, die nicht bei ihren Familien leben können. Nach ihrer Heilerziehungspflege-Ausbildung hat sie die Aufbauausbildung zur Heilpädagogin in der Korczak-Schule in Fürstenwalde gemacht. Alternativ kannst du Heilpädagogik auch studieren, das Studium stellen wir dir oben im Film vor.

Sabrina (25): "Man muss viel Energie investieren."

„In der Heilpädagogik haben wir vieles von dem vertieft, was in der Heilerziehungspflege schon angeschnitten wurde“, erzählt Sabrina, „Ich weiß jetzt mehr über die Förderung von Kindern und kann noch besser auf sie eingehen. Ich habe mehr Entscheidungsfreiheiten. Jede Woche mache ich einen Wochenplan und überlege mir, welches Kind ich mit welchen Übungen in der Entwicklung unterstützen kann.“ Das können Spiel- oder Kreativtherapien sein oder Methoden, die die Bewegungs- und Sprachfähigkeiten verbessern.

Zweimal die Woche ist Sabrina zur Schule gegangen, an den anderen Tagen hat sie auch während der Ausbildung schon in der Wohngruppe gearbeitet: Manchmal sogar 24-Stunden-Schichten, auch an den Wochenenden! „Man muss viel Energie investieren“, hat die 25jährige gemerkt. Die Kinder brauchen Trost und Geborgenheit, denn es ist für sie schwer, aus ihrem normalen Leben herausgerissen zu werden – auch wenn sie dort Probleme hatten. Die Schulleiterin der Korczak-Schule, Romana Germann, erklärt, worum es in der Heilpädagogik geht: „Du förderst und unterstützt Menschen, die nicht so fest im Leben stehen oder unter besonders schwierigen Bedingungen leben, damit sie nicht zu Außenseitern in unserer Gesellschaft werden. Das nennt man Inklusion.“

Sabrina muss abschalten können

Meist brauchen Kinder und Jugendliche oder Menschen mit Behinderung die Hilfe eines Heilpädagogen, manchmal aber auch alte Menschen. Die Schicksale, die Sabrina mitbekommt, sind oft hart. „Zu viel Nähe ist nicht gut“, hat sie gemerkt. Du brauchst also ein dickes Fell, viel Menschenkenntnis und die Fähigkeit, nach der Arbeit richtig abzuschalten. Und du solltest dich für Fächer wie Anthropologie, Entwicklungspsychologie, Soziologie, Medizin und Recht interessieren.

„Es war teilweise hart, neben dem Job noch zu lernen. Gut fand ich aber in der Schule den Austausch mit Kollegen, die in ganz anderen Bereichen arbeiten“, erinnert sich Sabrina. Solche Gespräche finden auf fachlich hohem Niveau statt, denn jeder hat ja schon eine Ausbildung gemacht. „Wenn ich ein Problem hatte, weil ein Kind kein Vertrauen zu mir aufbauen konnte, haben wir gemeinsam eine Lösung gefunden“, erzählt Sabrina. „Ich bemühe mich nach Kräften, den Kindern ein Zuhause zu geben kann. Auch wenn es nur vorübergehend ist.“

Auf einen Blick

  • Heilpädagogik gibt‘s als Fachschulausbildung (siehe Textportrait über Sabrina), aber auch als Bachelor und Master Studium (siehe Filmportrait über Natascha)

  • Fachschul-Absolventen gehen eher in die pädagogische Arbeit im Gruppendienst, Hochschul-Absolventen übernehmen eher Führungsaufgaben. So sind oft die Stellenanzeigen ausgeschrieben.

  • Voraussetzungen: für den Studiengang unterschiedlich je nach Bundesland, bitte direkt bei den Hochschulen informieren; für die Fachschule eine abgeschlossene Erstausbildung als Erzieher oder Heilerziehungspfleger

  • Weiterbildung: z.B. Masterstudiengang Intensivpädagogik

 


Das gibt’s bei der Diakonie

Schulische Ausbildung:

keine Vergütung

 

Berufseinsteiger mit Fachschulabschluss:

2.400 bis 3.080 Euro

 

Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss:

2.700 bis 3.220 Euro


 

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