Hebamme / Entbindungspfleger


Hebamme/Entbindungspfleger

Zehn Stunden hat es gedauert, bis Julia den ersten Schrei des Neugeborenen hörte. Zehn Stunden, in denen sie mitgefiebert, die Hand der Schwangeren gehalten und den werdenden Vater beruhigt hat. Als das Neugeborene dann auf der Brust der Mutter lag, konnte sich auch Julia nicht mehr halten. "Ich hab‘ geheult, so gerührt war ich", erzählt sie. Diese erste Geburt, die Julia live miterlebt hat, ist nun zwei Jahre her. Inzwischen hat sie fast 100 Geburten gesehen!

Julia (22): In ihrem Job gehören Freudentränen zum Arbeitsalltag.

Julias Ausbilderin im Ev. Luisenhospital in Aachen, Susanne Peters, rät dazu, unbedingt ein Praktikum zu machen, bevor man sich als Hebamme oder Entbindungspfleger bewirbt. "Viele wissen nicht, auf was sie sich einlassen!", sagt sie. Der Kreißsaal, in dem die Babys geboren werden, ist nämlich eine Welt für sich. Überraschungen sind vorprogrammiert. Von einer Minute zur anderen steht Julia unter Strom, wenn eine Geburt plötzlich schneller vorangeht als erwartet oder eine Komplikation eintritt. Babys halten sich an keine Regeln oder Zeitpläne.


Julias Aufgaben als Auszubildende:

  • die stundenlange Wartezeit während der Eröffnungswehen überbrücken
  • den werdenden Eltern erklären, was als nächstes passieren wird
  • die Schwangere zur Toilette begleiten
  • bald darf sie auch Geburten leiten

Geburten sind Geduldsproben

Julia hat lernen müssen, geduldig zu sein, denn keiner weiß wie lange eine Geburt dauern wird. Und sie hat ihre Angst vor jeglichen Körperflüssigkeiten überwunden. "Wer kein Blut sehen kann, ist fehl am Platz", sagt sie. Nach der Geburt zu putzen, ist für Julia längst nicht mehr eklig: "Das gehört einfach dazu." Und das Wunder der Geburt überwiegt alles. Schnell war ihr aber auch klar, dass sie es als Hebamme nicht nur mit Freudentränen zu tun haben wird. Abgesehen davon, dass jede Geburt wahnsinnig anstrengend für alle Beteiligten ist, betreut Julia auch Paare, die eine Fehlgeburt haben oder kein gesundes Kind zur Welt bringen werden. "Die meisten Leute sind sehr gefasst", sagt sie, "Ich kann nur anbieten da zu sein und mich zu kümmern." Für Julia sind ihre Hebammenkolleginnen da und haben immer ein offenes Ohr. Allen ist bewusst, dass der Tod zum Leben gehört.

Julia macht sich keine Sorgen um ihre Zukunft, denn als Hebamme kann sie weltweit Arbeit finden. "Ich möchte auf jeden Fall für längere Zeit in einem großen Krankenhaus arbeiten und dann vielleicht in einem Entwicklungshilfeprojekt in Lateinamerika oder Afrika mithelfen", überlegt die 22-Jährige. Und wenn sie genug Erfahrungen gesammelt hat, will sie sich sogar als Hebammenausbilderin versuchen!

Auf einen Blick

  • Voraussetzung: mittlerer Bildungsabschluss
  • Dauer: 3 Jahre
  • Hebammen arbeiten im Krankenhaus, im Geburtshaus, bei einem Frauenarzt, in ihrer eigenen Hebammenpraxis oder als freiberufliche Nachsorgehebamme, die die Mütter und Neugeborenen zu Hause betreut

Das gibt's bei der Diakonie

Auszubildende/r je nach Tarif, Ausbildungsjahr und Bundesland:

710 bis 1.100 Euro

 

Berufseinsteiger/in:

2.190 bis 2.600 Euro


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