Diakonisches Jahr im Ausland


Diakonisches Jahr im Ausland

Aufgeregt warten die fünf Mädchen auf ihren Einsatz. Wochenlang haben sie Lieder einstudiert. An diesem Sonntag wollen sie sie beim Gottesdienst von jungen Leuten für alte Leute vorsingen: vor den Senioren der "Residenz Es Castellot". Die Idee stamm von Rebecca (22), die ihr Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA) in dem deutschen Altenheim und der zugehörigen Kirchengemeinde auf Mallorca verbringt.

Wo andere nur Urlaub machen, hat sich Rebecca (22) um deutsche Senioren gekümmert: auf Mallorca

Auf die Idee kam sie während ihrer Arbeit im Café der Residenz, wo sich die Bewohner jeden Tag treffen, um gemeinsam zu singen, zu basteln oder über ihre Herkunft zu sprechen. "Manche Rentner leben seit Jahren hier auf Mallorca und haben sich ihre eigene kleine Welt aufgebaut", erzählt sie, "Kontakt zu jungen Leuten gibt es kaum." Das will sie ändern.

Dabei hatte die heute 22-Jährige ursprünglich gar nicht vor, mit alten Menschen zu arbeiten. Nach dem Abitur wollte sie einfach mal weg aus Deutschland, am liebsten nach Spanien und dort "was mit Kindern" machen. Aber was mit Kindern machen wollen viele DJiA-Bewerber, die Plätze sind schnell vergeben. Als die Vermittlungsstelle ihr anbot, stattdessen zwischen Palmen und Sandstrand Senioren zu betreuen, zögerte Rebecca nicht lange.

Es ist nicht immer einfach: "Manche Senioren haben Vorurteile gegenüber dem Kulturmix in Spanien und es fällt ihnen schwer, sich an die moderne, veränderte Gesellschaft anzupassen." Außerdem muss Rebecca von einem kleinen Taschengeld leben. Obwohl sie ihr WG-Zimmer kostenlos und einen Zuschuss für die Verpflegung bekommt, ist das Geld manchmal knapp. Ihre  Eltern und ihre Gemeinde dann helfen aus. Viele DJiAler organisieren sich einen "Unterstützerkreis" aus Verwandten und Freunden, Lehrern, Pfarrern, Diakonen oder Firmen aus dem Heimatort, die sie sponsern.

Die Motivation muss stimmen

160 DJiA-Plätze vermitteln die Evangelischen Freiwilligendienste für junge Menschen jedes Jahr. Chancen hat jeder, der mindestens 18 ist und sich für die Arbeit mit Menschen interessiert. Bei den geforderten Sprachkenntnissen geht es nur darum, dass man sich halbwegs in der Landessprache verständigen kann. "Wir sind kein Eliteprogramm, wo man nur mit super Schulnoten und dem perfekten Lebenslauf zum Zuge kommt", sagt Christine Meyer, Pressereferentin der Evangelischen Freiwilligendienste, "Aber die Motivation der Bewerber muss stimmen, wir möchten spüren, dass sie mit dem Herzen dabei sind, und freuen uns, wenn sie sich schon vorher engagiert haben." Rebecca hat bereits in ihrer Heimat bei Frankfurt in der Kirchengemeinde mitgeholfen und dort Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche organisiert.

Auf Mallorca ist sie nun zum ersten Mal alleine so lange von zu Hause weg. "Vor allem am Anfang hatte ich Heimweh", gesteht sie, "Aber mein Leben in die Hand zu nehmen, hat mich echt selbstständig gemacht." Außerdem kann sie sich ihr DJiA als Vorpraktikum an der Uni anrechnen lassen! Denn danach möchte sie Soziale Arbeit studieren. "Sehr viele Teilnehmer entscheiden sich nach dem DJiA für einen sozialen oder pflegerischen Beruf", weiß Expertin Christine Meyer,  "Und selbst die, die dann doch in eine ganz andere Richtung wie Ingenieurwesen gehen, bleiben oft ehrenamtlich engagiert."

Auf einen Blick

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